Interview mit Robin Giesbrecht

 

 

Der deutsch-bulgarische Pianist Robin Giesbrecht aus Bad Oeynhausen, Jahrgang 1993, bekam im Alter von sechs Jahren den ersten Klavierunterricht. Bereits ein Jahr später gewann er den 1. Preis beim „Internationalen Grotrian-Steinweg Wettbewerb“ und wurde dort von Prof. Karl-Heinz Kämmerling entdeckt, der ihn in seine Meisterklasse an der "Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover" aufnahm. Ab dem 10. Lebensjahr studierte Robin Giesbrecht dort parallel zur Schulzeit am "Institut zur Frühförderung Hochbegabter". Es folgten zahlreiche Sonderpreise, Ehrungen und 1. Preise bei verschiedenen Wettbewerben.

 

Nach dem Abitur absolvierte er ein Bachelor-Studium an der Juilliard School of Music in New York, wo er aus fast 2500 Mitbewerbern das einzige Vollstipendium erhielt. Anschließend wechselte er zum Masterstudium an die Yale Universität in New Haven und erhielt auch hierfür ein Vollstipendium. 2013 wurde Robin Giesbrecht von Steinway & Sons in den hochgeschätzten Kreis der „Steinway-Künstler“ aufgenommen.

 

Dass nicht hinter jedem hochbegabten Kind überehrgeizige Eltern stehen, er auf eine fast normale Kindheit zurückblicken kann, Klassikpianisten nicht nur Klassik hören, wieviele Stunden er pro Tag freiwillig Klavier übt und was er für Träume, Wünsche und Ziele hat, erzählt er uns im Interview.

 

 

Ulrike Kubetzki: Wie bist Du zum Klavierspiel gekommen?

 

Robin Giesbrecht: Meine Mutter liebt das Klavier und hatte uns ein altes Instrument aus Bulgarien organisiert. Zuerst bekam mein Bruder Klavierunterricht und machte mich neugierig, sodass ich schließlich auch Unterricht bekam.

 

Ulrike Kubetzki: Wie wurde Deine musikalische Hoch-begabung entdeckt?

 

Robin Giesbrecht: Sehr schnell. Bereits ein Jahr nachdem ich mit dem Klavierunterricht begonnen hatte, nahm ich auf Empfehlung meines Klavierlehrers am internationalen "Grotrian-Steinweg-Klavierwettbewerb" teil, den ich gewonnen habe. In der Jury saß Prof. Karl-Heinz Kämmerling von der "Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover", der mich anschließend in seine Meisterklasse aufnahm. Mit zehn Jahren kam ich dann in Hannover in die „Vorschule zum Institut zur Früh-Förderung Hochbegabter“ (VIFF) und wechselte mit zwölf Jahren zum „Institut zur Früh-Förderung Hochbegabter“ (IFF). Dort habe ich bis zum Abitur parallel zur Schule studiert, an Klavierwettbe-werben teilgenommen und regelmäßig Konzerte gespielt.

 

Ulrike Kubetzki: Was machen Deine Eltern beruflich, gibt es noch mehr Hochbegabte in Deiner Familie?


Robin Giesbrecht: Meine Mutter ist Ärztin, genau gesagt im Fach Allgemeinmedizin. Derzeit ist sie auf Begutachtungen für einige Gesundheitsämter spezialisiert. Mein Vater ist Meister im Fach Heizung und Sanitär. Mein Bruder hat ein Start-up für Reisevorbereitungen, studierte Business Management. Ich bin kein Fachmann und kann nur schwer beurteilen wer hochbegabt ist, aber irgendwo kommen die Gene her. Mein Großvater mütterlicherseits war Chefarzt eines Krankenhauses in Bulgarien (Ruse). Er spielte auch die Geige, komponierte, war Pilot und Arzt für das Militär, interessierte sich, wie ich, für Fotografie, Philosophie und wirklich alles, was die Welt bewegt. Eine direkte Verbindung ist definitiv vorhanden.

 

Ulrike Kubetzki: Musikalisch Hochbegabten wird nicht selten auch eine kognitive Hochbegabung nachgesagt. Hast Du auch einen "klassischen" IQ-Test durchgeführt?

Robin Giesbrecht: Nein, das nicht. Allerdings wurde in der Grundschule öfter diskutiert, ob ich die erste oder zweite Klasse überspringen soll. Meine Eltern haben sich aber dagegen entschieden, weil ich nach ihrer Meinung einen möglichst "normalen" Schulverlauf nehmen sollte.

 

Ulrike Kubetzki: Wie ließ sich Dein Alltag aus Schule, Hochbegabten-förderung, Konzertreisen und Klavierwettbewerben zeitlich organi-sieren? Hat die Schule Verständnis für Deine ungewöhnliche Situation gehabt?


Robin Giesbrecht: In der Grundschule haben mich der Schulleiter und die Lehrer wirklich sehr unterstützt. Ich war kein ruhiges Kind, sondern der typische Klassenclown und Störenfried, sodass es schon öfter Probleme im Klassenzimmer gab. Zum Glück hatte ich dort aber Lehrer, die auf meiner Seite waren und versucht haben mir zu helfen. Ich erinnere mich noch gut an meinen Mathematiklehrer, der mich als Schüler der dritten Klasse oft mit in die vierte Klasse genommen hat, damit ich die dortigen Aufgaben mitmachen konnte. In der Grundschule durfte ich auch meine Musiktermine jederzeit wahrnehmen, konnte problemlos fehlen, wann immer es unvermeidbar war. Wenn ich dadurch Unterrichtszeiten verpasst habe, wurden mir sogar Extraaufgaben gestellt.

 

Ulrike Kubetzki: Wie entgegenkommend waren die Lehrer auf dem Gymnasium?


Robin Giesbrecht: Auf dem Gymnasium wurde die Situation wesentlich schwieriger. Die Schule war viel größer, es gab mehr Schüler und die Lehrer zeigten deutlich weniger Bereitschaft für einen einzelnen Schüler mehr zu arbeiten und mir eine Sonderrolle zuzugestehen. Ab dem 14./15. Lebensjahr hatte ich immer mehr Konzerttermine und auch in Hannover mehr zu tun, so kamen immer höhere Fehlzeiten zusammen. Einige Lehrer waren einfach nicht bereit mir einen Freipass zu geben, nur weil ich Musiker war. Dementsprechend gab es dort mehr Probleme alles unter einen Hut zu bekommen.

 

Ulrike Kubetzki: Den Lehrern war Deine Hochbegabung aber doch bestimmt bekannt?

Robin Giesbrecht: Das schon. Allerdings war es für einige Lehrer offenbar irritierend, dass ich trotz der hohen Fehlzeiten immer noch unterfordert war, wenn ich am Unterricht teilnahm und das dann auch gezeigt habe. Das war für manche Lehrer offenbar zuviel. Es gab einige, mit denen ich wirklich gut arbeiten konnte, aber mit manchen bin ich überhaupt nicht klargekommen. Anfangs war das nicht so schlimm, denn der Schulleiter war auf meiner Seite. Er hat den Lehrern versucht zu erklären, dass es sich bei mir eben um eine Hochbegabung handelt und man daher anders damit umgehen muss. Das klappte dann ganz gut bis der Schulleiter irgendwann wechselte. Der neue Direktor war nicht bereit hier viel zu helfen. Das ging schließlich soweit, dass ich einen Brief an das Kultusminsterium geschrieben und auch mit dem Kultusminister gesprochen habe. Der hat wiederum einen Brief an meinen Schulleiter geschrieben und die Situation beruhigte sich zunächst etwas. Ich bekam auch wieder Extraaufgaben und war weniger unterfordert.

 

Ulrike Kubetzki: Wie muss man sich Deinen Alltag zwischen Schule und Frühstudium vorstellen. Wieviel Zeit hast Du pro Woche in Hannover verbracht?

Robin Giesbrecht: Im Vorstudium war ich dort von freitags bis sonntags. Ich war aber auch manchmal 1-2 Wochen am Stück unterwegs, um Konzerte, auf Klassik-Festivals und Klavierwettbewerben zu spielen. In meinem letzten Schuljahr habe ich insgesamt mindestens zwei Monate gefehlt.

 

Ulrike Kubetzki: Wie hat sich das auf Deine Schulnoten ausgewirkt?

Robin Giesbrecht: Die waren meist nicht so gut, obwohl ich mit dem Lernstoff gut zurechtkam und in schriftlichen Tests und Klassenarbeiten auch gut abgeschnitten habe. Viele Hausaufgaben und die mündliche Mitarbeit konnte ich aber durch meine vielen Fehlzeiten nicht vorweisen und auch nicht nachholen. Das hat sich dann in den Noten entsprechend niedergeschlagen, so ist halt leider das Schulsystem. Das ging schließlich bis zu dem Punkt, an dem ich meine schulische Karriere mit 17 Jahren vorzeitig beendet habe, um mich besser auf die Musik konzentrieren zu können.

 

Ulrike Kubetzki: Das Abitur hast Du aber trotzdem noch gemacht?

Robin Giesbrecht: Ja, allerdings brauchte ich erst einmal eine Sondergenehmigung vom Ministerium, um von der gesetzlichen Schulpflicht befreit zu werden. Das ist in Nordrhein-Westfalen normalerweise erst ab dem 18. Lebensjahr möglich. Dann musste ich in mehreren Fächern Einzelprüfungen ablegen und nachdem ich diese alle bestanden hatte, wurde mir vom Ministerium die Hochschulreife anerkannt.

 

Ulrike Kubetzki: Zeugnis- und Abiturnoten zeigen eine deutliche Diskrepanz zu Deinem Leistungspotenzial und den Ergebnissen, die Du ohne Doppelbelastung aus Schulalltag und musikalischer Hochbegabtenförderung hättest erzielen können. Hättest Du Dir schulischerseits nicht mehr Flexibilität und konstruktivere Lösungen gewünscht, um beides besser bewerkstelligen zu können?

Robin Giesbrecht: Natürlich wäre dann vieles einfacher gewesen. Mit 14 oder 15 Jahren habe ich die Schwierigkeiten aber weniger als mangelnde Unterstützung der Schule eingeordnet, sondern eher die schulische Botschaft wahrgenommen, der Außenseiter und Störenfried zu sein, der die Probleme selbst verursacht hat.
 

 

 

 

Ulrike Kubetzki: Wie sind Deine Mitschüler mit Deiner Sonderrolle umgegangen? Warst Du gut im Klassenverband integriert?

Robin Giesbrecht: Ja, das kann ich schon so sagen. Ich habe mich in der Klasse wohl gefühlt und auch Freunde gefunden.

 

Ulrike Kubetzki: Du hast quasi zwischen zwei Welten gelebt und neben der Schule ganz andere Dinge erlebt als Deine Klassenkameraden. Wie schlägt man die Brücke zwischen solchen "Paralleluniversen"?

Robin Giesbrecht: Ich hatte schon eine Sonderrolle in der Klasse, habe als Vierzehnjähriger schon mein eigenes Geld verdient und bin auch früh selbstständig geworden, da ich Konzertreisen teilweise auch ohne mein Eltern bewerkstelligen musste, da beide berufstätig waren und mich nicht immer begleiten konnten. So hatte ich viel zu erzählen und das fanden meine Mitschüler schon spannend. Andererseits habe ich viel von deren Leben verpasst, was Projekte und sonstige Aktivitäten betrifft, weil ich soviel unterwegs war. Außerdem musste ich täglich nach der Schule und den Hausaufgaben viel Klavier üben und mich auf die nächsten Konzerte oder Wettbewerbe vorbereiten, während meine Mitschüler eben viel mehr Freizeit hatten. Das war für mich aber immer in Ordnung so.

 

Ulrike Kubetzki: Haben Dich Deine Eltern als Kind zum Üben gedrängt oder war der Weg Deine eigene, freie Entscheidung?

Robin Giesbrecht: Meine Eltern haben mich immer unterstützt und nie gedrängt, die Musik war schon immer meine eigene Entscheidung. Natürlich hat man auch mal Motivationsprobleme und keine Lust zu üben, aber sie haben mich nie unter Druck gesetzt oder gezwungen, etwas gegen meinen Willen zu tun. Ich erinnere mich noch, dass ich mal vor einem wichtigen Wettbewerb großen Liebeskummer hatte und mich kaum auf das Klavier konzentrieren konnte. Meine Mutter hatte viel Verständnis und betonte, ich müsse den Wettbewerb nicht spielen, das sei meine eigene, freie Entscheidung. Ich habe ihn dann schließlich doch gespielt, aber mir danach ein paar Tage frei genommen. Von zu Hause habe ich immer die beste Unterstützung bekommen, die ich mir hätte wünschen können.

 

Ulrike Kubetzki: Bist Du gut mit der Situation zurechtgekommen, dass Dich Deine Eltern nicht immer begleiten konnten und Du schon früh auch alleine zu Konzerten und Wettbewerben reisen musstest?


Robin Giesbrecht: Dies ist eine schwierige Frage. Letztendlich muss man die Mitte zwischen Freiheit und Kontrolle finden, vor allem in der Erziehung. Aufgrund meiner Persönlichkeit habe ich schon sehr früh für meine Selbständigkeit gekämpft. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass ich mit neun Jahren sehr lange mit meinen Eltern gekämpft habe, weil ich unbedingt einen Computer haben wollte. Es dauerte eine Weile, aber letztendlich habe ich gewonnen und von dem Moment an änderte sich Einiges. Ich hatte Zugriff auf das Wissen der ganzen Welt. Diese Faszination habe ich nie verloren, und so begann die Entwicklung zu einem Menschen, der jedes Problem selbst lösen möchte und (zum größten Teil) kann. Natürlich merke ich, dass mir oft Disziplin fehlt, wahrscheinlich aufgrund meiner frühen Selbstständigkeit - aber diese wurde mir gut in der Uni beigebracht. Letztendlich bin ich sehr froh über meine Erziehung, denn ich merke, dass ich meinen Kollegen oft einige Jahre voraus bin, zumindest in Sachen Entwicklung.
 

Ulrike Kubetzki: Haben Deine Eltern darauf geachtet, dass Du zum vielen Klavier üben auch einen Ausgleich hast?


Robin Giesbrecht: Wir sind im Urlaub viel gereist, da hatte ich auf jeden Fall meinen Ausgleich. Außerdem interessiere ich mich sehr für Computer, Computersprachen und –spiele. Dieses Hobby hat auch täglich seinen festen Platz bei mir.

 

Ulrike Kubetzki: Wieviele Stunden übst Du pro Tag? Übst Du täglich?


Robin Giesbrecht: Meistens zwischen zwei und vier Stunden, ja, schon täglich.

 

Ulrike Kubetzki: Du hast noch einen älteren Bruder, der vor Dir mit dem Klavierspielen begonnen hat. Gab es Konkurrenz zwischen Euch?


Robin Giesbrecht: Mein Bruder hat ziemlich schnell wieder mit dem Klavierunterricht aufgehört, weil ihn andere Dinge mehr interessiert haben. Von daher gab es da keine Konkurrenz. Dann ist er als Austauschschüler ein Jahr nach Australien gegangen, musste danach zum Militär. Ich bin selbst viel gereist, so haben wir uns einige Zeit zu Hause gar nicht viel gesehen, weil jeder sein eigenes Ding gemacht hat.

 

Ulrike Kubetzki: Eine solche Hochbegabung wie bei Dir zu fördern ist sicher mit einigen Kosten verbunden. Haben Deine Eltern viel investieren müssen?

 

Robin Giesbrecht: Meine Eltern haben schon sehr viel in meine Ausbildung investiert. Glücklicherweise habe ich aber auch viel finanzielle Unterstützung über Stipendien verschiedener Organisationen erhalten.

 

Ulrike Kubetzki: Wäre Deine Ausbildung und Förderung auch möglich gewesen, wenn Deine Eltern die finanziellen Mittel dafür nicht gehabt hätten?

Robin Giesbrecht: Doch, auf jeden Fall. Mein damaliger Professor in Hannover, Karl-Heinz Kämmerling hat auch für Studenten Finanzierungsmöglichkeiten gefunden, die sich die Förderung überhaupt nicht leisten konnten. Auch für mich gab es z.B. einige Festivalteilnahmen oder Meisterkurse, die für meine Eltern einfach zu teuer waren. Auch dafür hat er Wege gefunden, dass ich dort teilnehmen konnte.

 

Ulrike Kubetzki: Du hast schon sehr früh mit erwachsenen Profi-Musikern gespielt, Orchestern, Solisten. Wie war die Zusammenarbeit, wurdest Du ernst genommen oder musstest Du Dir den Respekt hart erkämpfen?

 

Robin Giesbrecht: Da es viele junge Nachwuchspianisten gibt, war es nicht unnatürlich als sehr junger Mensch auch mit älteren Kollegen zu arbeiten. Respekt in diesem Sinne musste man sich also nicht erkämpfen, solange man liefern konnte.

 

Ulrike Kubetzki: Wie ging es nach dem Abitur für Dich weiter?

Robin Giesbrecht: Ich hatte mich gegen Ende meiner Schulzeit für ein Stipendium an der Juilliard School in New York beworben und dort tatsächlich unter fast 2500 Bewerbern das einzige Vollstipendium erhalten. Nach dem Abitur bin ich direkt nach New York umgezogen und habe dort mit dem Bachelor-Studium begonnen.

 

Ulrike Kubetzki: Hört man als klassischer Pianist ausschließlich Klassik oder gibt es auch andere Musik, die Dir gefällt?

Robin Giesbrecht: Ich bin definitiv in meiner Kindheit durch diverse musikalische Phasen gegangen und habe mich für verschiedene Musikrichtungen interessiert, meist angeregt durch meine Klassenkameraden. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich zwei Jahre lang riesiger Rammstein-Fan war und noch viele Fanartikel besitze, Poster, T-Shirts und Rammstein–Jacke. Danach war ich eine Weile großer Hip-Hop-Fan.

 

Ulrike Kubetzki: Hattest Du schon einmal den Wunsch einen anderen Beruf auszuüben als Musiker zu sein?

Robin Giesbrecht: Ja, sehr oft sogar. Ich bin ein Mensch, der sich gerne mit allem gleichzeitig beschäftigt, und oft raubt mir das die Zeit, mich auf das Klare zu konzentrieren. Ich habe wahrscheinlich drei bis vier Mal so viele Hobbies wie die meisten Menschen. Dazu kommt, dass Musik karrieretechnisch eben ein sehr schwieriger Weg ist. Sogar, wenn man alles gibt, muss man oft Enttäuschungen erleben. Dennoch würde ich das nie aufgeben, denn die Musik ist das, was mich letztendlich antreibt, ich könnte mir nichts Besseres vorstellen!

Ulrike Kubetzki: Wer waren oder sind Deine Vorbilder?

 

Robin Giesbrecht: Der größte Mensch in der Geschichte der Erde ist zweifellos Leonardo da Vinci. Kein anderer hat zugleich Wissenschaft, Kunst und Biologie soweit getrieben wie er. Vor allem identifiziere ich mich sehr mit einem Charakter, der sich für alles interessiert.

Mein größtes Pianistenvorbild ist Grigory Sokolov. Ich kenne keinen anderen Pianisten, der so hart arbeitet wie er. Vor allem gibt es keinen anderen Pianisten, der so emotional und auch perfekt spielt. Er ist wirklich unglaublich.

 

Ulrike Kubetzki: Du hast im Mai 2017 erfolgreich Dein Masterstudium an der Yale-Universität in New Haven abgeschlossen. Wie war das Studium in New Haven für Dich im Vergleich zu New York?

 

Robin Giesbrecht: Wie bereits erwähnt, bin ich ein Mensch der sich für einiges interessiert und nicht stillhalten kann. Yale war in diesem Sinne ein noch besseres Umfeld für mich als New York. Die Universität selbst ist ein einzigartiges Umfeld von hochintelligenten Kommilitonen, die alle ähnliche Interessen haben, unsere Welt zu bewegen. Ich bin recht früh in die Szene der Psychologen hereingerutscht und habe mich stark mit der zeitgenössischen Forschung des Gehirnes im Zusammenhang mit der Musik beschäftigt. So belegte ich letztendlich Kurse in Neurobiologie, Psychologie und Musikforschung. Außerdem war die Musikschule der Universität selbst sehr klein, mit nur fünf weiteren Masterstudenten im Fach Klavier. So haben wir eine sehr spezialisierte Betreuung und viel Aufmerksamkeit von unseren Professoren bekommen. Das war einfach Spitze und ist, glaube ich, nun im Nachhinein meine beste akademische Ausbildung gewesen.

 

Ulrike Kubetzki: Wie geht es jetzt weiter für Dich, was sind Deine Wünsche und Träume für die Zukunft?

 

Robin Giesbrecht: Träume gibt es viele, Interessen gibt es zu viele, Konzerte stehen an und derzeit helfe ich meiner Freundin bei der Leitung eines Festivals in Connecticut (Music Mountain). Noch kann ich nicht genau sagen, wo es hingeht, aber eins ist klar: Es hat gerade erst angefangen!
 

Ulrike Kubetzki: Eine kleine Bilanz zum Abschluss: Empfindest Du Deine Hochbegabung insgesamt als etwas Positives oder hat sie im Alltag auch manchmal Nachteile für Dich?

 

Robin Giesbrecht: Wie alles im Leben gibt es Vor- und Nachteile. Die Vorteile sind klar: Man bekommt mehr Aufmerksamkeit als Kind, man kann mehr am Tag schaffen als manche Kollegen und mit den vielen Interessen, die ich habe, ist das Leben einfach aufregender. Die Nachteile sind das Resultat der Vorteile: Durch die Aufmerksamkeit wird man im jungen Alter sofort als „anders“ abgestempelt. Man möchte mehr am Tag schaffen, aber kann es oft aus anderen Gründen nicht. Aufgrund der vielen Interesse und dem Wunsch diesen Nachzugehen, verliert man auch leicht den Fokus und ist enttäuscht, wenn man nicht die dreißig geplanten Dinge für den Tag schaffen konnte.

 

Webseite Robin Giesbrecht:     www.robin-giesbrecht.com

 

Fotografen:

1. Harrison Linsey (Bild oben)

2. Jens Andersen (Bild Mitte)

3. Harrison Linsey (BIld unten)

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© begabt-hochbegabt.info