Hochbegabung

 

"Es gibt nichts Ungerechteres als die gleiche Behandlung von Ungleichen."               (Paul F. Brandwein, amerik. Psychologe)

 

 

Copyright Grafik: Ulrike Kubetzki, Stefan Garthe

Die Verteilung der Intelligenz in der Bevölkerung

 

Ungefähr 2-3% der Bevölkerung wird als hochbegabt eingestuft. Bei 80 Millionen Einwohnern betrifft das in Deutschland rund zwei Millionen Menschen.

Die Verteilung der Intelligenz in der Bevölkerung lässt sich zur Veranschaulichung als Glockenkurve darstellen, in der Statistik spricht man von einer "Normalverteilung".

Der Kurvenverlauf zeigt, dass die meisten Menschen, ungefähr zwei Drittel, einen Intelligenzquotienten (IQ) zwischen 85 und 115 aufweisen. Diesen Bereich nennt man auch Durchschnittsbereich der Intelligenz. Sowohl extrem niedrige als auch extrem hohe Werte sind gleichermaßen selten zu finden.

Abbildung: Verteilung der Intelligenz in der Bevölkerung

 

 

 

Hochbegabung nur ab IQ 130?

 

Von einer intellektuellen Hochbegabung spricht man häufig, wenn der IQ-Wert mindestens 130 oder mehr beträgt.

DOCH VORSICHT: Der Wert von 130 ist ein willkürlicher Wert!

 

Man könnte als Grenzwert für Hochbegabung ebenso einen Wert von 127, 128 oder 129 wählen.

Es gibt kein natürliches Kriterium, ab welchem IQ-Wert man es mit Hochbegabung zu tun hat. Es gibt auch kein natürliches Kriterium, ab wann ein Mensch außergewöhnlich groß ist, ab 1,90 m, 2,00 m oder mehr? Oder ab wann seine Schuhgröße außergewöhnlich groß ist, ab 48, 49 oder 50?

 

Wieso wurde der Grenzwert von 130 ausgewählt?

 

Für die Forschung über Hochbegabung sind möglichst objektive und eindeutige Kriterien wichtig, um z.B. Gruppen zu bilden und diese miteinander vergleichen zu können. Bei einem Wert von 130 kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass eine überdurchschnittliche Intelligenz vorliegt. Zur Vereinfachung nimmt man häufig "glatte" Werte als Grenzwert. Hintergrund ist ein statistisches Kriterium, kein inhaltliches: 130 ist die doppelte Differenz zwischen der Obergrenze des Durchschnittsbereiches (IQ 115) und dem Mittelwert (IQ 100) (siehe Grafik).

Grenzwerte sind aber auch Hilfsmittel für Auswahlkriterien, wenn es z.B. darum geht Förderprogramme anzubieten, für die es mehr Bewerber als Plätze gibt.

 

Graduelle Übergänge

 

Da der Grenzwert von 130 willkürlich festgelegt wurde, findet man auch keine gravierenden Unterschiede oder markante Leistungssprünge im Vergleich zu einem Menschen mit einem IQ von 128 oder 129. Die Übergänge sind fließend und graduell.

Bei hochbegabten Menschen wurden von Psychologen und Coaches allerdings markante Eigenschaften beobachtet, die wir im Kapitel Brainspotting aufgelistet haben. Diese lassen sich mitunter bereits ab einem IQ von 120 beobachten, der schon eine überdurchschnittliche Intelligenz kennzeichnet.

Es ergibt also keinen Sinn, sich auf den Grenzwert von 130 zu versteifen, um zu entscheiden, ob eine hohe intellektuelle Begabung vorliegt, denn diese kann auch bei niedrigeren Werten vorkommen. Wichtig ist vielmehr, z.B. im Rahmen einer Hochbegabungsdiagnostik, die individuellen Stärken und Potenziale des Menschen genauer zu ergründen, um z.B. für Kinder den passenden Förderbedarf zu ermitteln oder Jugendliche bei der richtigen Berufswahl zu unterstützen.

 

IQ-Tests erzeugen relative und keine absoluten Werte

 

Es ist derzeit kein Intelligenztest vorhanden, mit dem die absolute Intelligenz eines Menschen gemessen werden kann.

Intelligenz setzt sich aus vielen unterschiedlichen Parametern zusammen, die sich nicht alle objektiv messen lassen wie das z.B. beim Gewicht oder der Körpergröße mit Hilfe von kalibrierter Waage und Zentimetermaß möglich ist.

 

Die Entwicklung von Intelligenztests hatte ein ganz anderes Ziel, nämlich die Verteilung der Intelligenz in der Bevölkerung zu ermitteln.

Die Ergebnisse sind daher relative Werte und keine absoluten, das bedeutet:

Das Testergebnis einer Person wird verglichen mit den vorhandenen Testergebnissen möglichst vieler Testpersonen der gleichen Altersklasse. Aus dem Vergleich der Ergebnisse ergibt sich ein bestimmter IQ-Wert. Man ist also immer nur im Vergleich zu einer Gruppe derselben Altersklasse entsprechend intelligent.

 

Was bedeutet es, hochbegabt zu sein?

 

Das ist eine der Kernfragen, die sich nach einem positiven Testergebnis stellt. Es genügt eben nicht nur zu wissen, wie hoch der IQ-Wert ist, dass er offenbar außerhalb der Norm liegt und ein weit Überdurchschnittliches Leistungspotenzial vorhanden ist.

Oftmals viel gravierender sind folgende Fragen:

  • Welche Auswirkungen hat eine Hochbegabung auf das eigene Leben, auf wichtige Lebensentscheidungen, welches Lebensgefühl erzeugt sie?
  • Welche Konsequenzen hat die Hochbegabung im Alltag, im Beruf, im Umgang mit anderen Menschen?
  • Wie reagiert mein soziales Umfeld darauf?
  • Welche Herausforderungen und Schwierigkeiten können sich aus einer Hochbegabung ergeben?

Auf diese Fragen gehen wir auf unserem Infoportal an verschiedenen Stellen ein.

 

Soviel vorweg:

Talente können zwar verkümmern, aber die Struktur einer Hochbegabung bleibt ein Leben lang bestehen, egal, ob man sie akzeptiert oder ablehnt, um sie weiß oder nicht, danach lebt oder nicht. Man kann ihr nicht entfliehen und tut deshalb gut daran, sich mit ihr zu arrangieren.

Wichtig ist, dass der betroffene Mensch eine oder mehrere Aufgabe/n findet, in der er seine Fähigkeiten einbringen kann und durch die er Zufriedenheit erlangt. 

 

 

Hochbegabt = Erfolgreich?

Die richtige Mischung macht's!

 

Hochbegabung alleine ist noch kein Erfolgsgarant. Zum Erfolg gehören nicht nur Talent oder ein hoher IQ, sondern auch bestimmte Charaktereigenschaften wie Ausdauer, Zielstrebigkeit, Neugierde, Ehrgeiz, Fleiß, Selbstdisziplin, Selbstvertrauen, die Fähigkeit zur Selbstmotivation, emotionale Intelligenz (EQ).

 

Ein talentierter Sportler kann ohne professionellen Trainer und intensives Training keine olympischen Höchleistungen erreichen.

Ein talentierter Musiker wird ohne guten Lehrer und intensives Üben kein Virtuose.

Die Vorstellung, dass intellektuell hochbegabte Kinder keine Anleitung und Förderung benötigen und sich ihr Potenzial von ganz alleine entfalten und  in Leistung verwandeln wird, hält sich jedoch immer noch hartnäckig. Das Gegenteil ist der Fall.

 

Auch ein schlauer Geist braucht die richtigen Lehrer und Förderer, passende Anleitungen, Lerntechniken, Herausforderungen und viel Übung, um produktiv zu werden. Anderenfalls kann Talent auch verkümmern oder sich nur unzureichend entwickeln.

 

Literatur:
Begabte Kinder finden und fördern - Ein Wegweiser für Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer. Herausgeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

 

 

 

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