Hochbegabung

 

"Es gibt nichts Ungerechteres als die gleiche Behandlung von Ungleichen."              

 

(Paul F. Brandwein, amerik. Psychologe)

 

 

Copyright Grafik: Ulrike Kubetzki, Stefan Garthe

Die Verteilung der Intelligenz in der Bevölkerung

 

Ungefähr 2-3% der Bevölkerung wird als hochbegabt eingestuft. 

Die Verteilung der Intelligenz in der Bevölkerung lässt sich zur Veranschaulichung als Glockenkurve darstellen, in der Statistik spricht man von einer "Normalverteilung".

Der Kurvenverlauf zeigt, dass die meisten Menschen, nämlich ungefähr zwei Drittel, einen Intelligenzquotienten (IQ) zwischen 85 und 115 aufweisen. Sowohl extrem niedrige als auch extrem hohe IQ-Werte sind gleichermaßen selten zu finden.

Abbildung: Verteilung der Intelligenz in der Bevölkerung

 


Wieso wurde der Grenzwert ab 130 für eine Hochbegabung ausgewählt?

 

Für die Forschung über Hochbegabung sind möglichst objektive und eindeutige Kriterien wichtig, um z.B. Gruppen zu bilden und diese miteinander vergleichen zu können. Bei einem Wert von 130 kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass eine Hochbegabung vorliegt. Hintergrund ist ein statistisches Kriterium: 130 ist die doppelte Differenz zwischen der Obergrenze des Durchschnittsbereiches (IQ 115) und dem Mittelwert (IQ 100) (siehe Grafik).

Grenzwerte sind aber auch Hilfsmittel für Auswahlkriterien, wenn es z.B. darum geht Förderprogramme anzubieten, für die es mehr Bewerber als Plätze gibt.

 

Graduelle Übergänge

 

Man sollte jedoch keine gravierenden Unterschiede oder markante Leistungssprünge zwischen einem Menschen mit einem IQ von 130 und jemandem mit einem IQ von 128 oder 129 erwarten. Die Übergänge sind fließend und graduell.

Wichtig ist daher, z.B. im Rahmen einer Hochbegabungsdiagnostik, die individuellen Stärken und Potenziale des Menschen genauer zu ergründen, um beispielsweise für Kinder den passenden Förderbedarf zu ermitteln oder Jugendliche bei der richtigen Berufswahl zu unterstützen.

 

IQ-Tests erzeugen relative und keine absoluten Werte

 

Es ist derzeit kein Intelligenztest vorhanden, mit dem die absolute Intelligenz eines Menschen gemessen werden kann.

Intelligenz setzt sich aus vielen unterschiedlichen Parametern zusammen, die sich nicht alle objektiv messen lassen wie das z.B. beim Gewicht oder der Körpergröße mit Hilfe von kalibrierter Waage und Zentimetermaß möglich ist.

 

Die Entwicklung von Intelligenztests hatte ein anderes Ziel, nämlich die Verteilung der Intelligenz in der Bevölkerung zu ermitteln.

Die Ergebnisse sind daher relative Werte und keine absoluten, das bedeutet:

Das Testergebnis einer Person wird verglichen mit den vorhandenen Testergebnissen möglichst vieler Testpersonen der gleichen Altersklasse. Aus dem Vergleich der Ergebnisse ergibt sich ein bestimmter IQ-Wert. 
Je höher der IQ, wie z.B. bei einer Höchstbegabung, die gemeinhin ab 145 definiert wird, desto schwieriger wird es, den genauen IQ-Wert zu ermitteln, weil es nur noch wenige Vergleichspersonen gibt.

 

Was bedeutet es, hochbegabt zu sein?

 

Das ist eine der Kernfragen, die sich nach einem positiven Testergebnis stellt. Es genügt eben nicht nur zu wissen, wie hoch der IQ-Wert ist, dass er offenbar außerhalb der Norm liegt und ein weit Überdurchschnittliches Leistungspotenzial vorhanden ist.

Oftmals viel gravierender sind folgende Fragen:

  • Welche Auswirkungen hat eine Hochbegabung auf das eigene Leben, auf wichtige Lebensentscheidungen, welches Lebensgefühl erzeugt sie?
  • Welche Konsequenzen hat die Hochbegabung im Alltag, im Beruf, im Umgang mit anderen Menschen?
  • Wie reagiert mein soziales Umfeld darauf?
  • Welche Herausforderungen und Schwierigkeiten können sich aus einer Hochbegabung ergeben?

Auf diese Fragen gehen wir auf unserem Infoportal an verschiedenen Stellen ein.

 

Soviel vorweg:

Talente können zwar verkümmern, aber die Struktur einer Hochbegabung bleibt ein Leben lang bestehen, egal, ob man sie akzeptiert oder ablehnt, um sie weiß oder nicht, danach lebt oder nicht. Man kann ihr nicht entfliehen und tut deshalb gut daran, sich mit ihr zu arrangieren.

Wichtig ist, dass der betroffene Mensch eine oder mehrere Aufgabe/n findet, in der er seine Fähigkeiten einbringen kann und durch die er Zufriedenheit erlangt. 

 

 

Hochbegabt = Erfolgreich?

Die richtige Mischung macht's!

 

Hochbegabung alleine ist noch kein Erfolgsgarant. Zum Erfolg gehören nicht nur Talent oder ein hoher IQ, sondern auch bestimmte Charaktereigenschaften wie Ausdauer, Zielstrebigkeit, Fleiß, Disziplin, Selbstvertrauen, die Fähigkeit zur Selbstmotivation, emotionale Intelligenz (EQ).

 

Die besonderen Fähigkeiten müssen außerdem trainiert werden. Ein talentierter Sportler kann ohne professionellen Trainer und intensives Training keine olympischen Höchleistungen erreichen.

Ein talentierter Musiker wird ohne guten Lehrer und intensives Üben kein Virtuose.

Die Vorstellung, dass intellektuell hochbegabte Kinder keine Anleitung und Förderung benötigen und sich ihr Potenzial von ganz alleine entfalten und  in Leistung verwandeln wird, hält sich jedoch immer noch hartnäckig. Das Gegenteil ist der Fall.

 

Auch ein schlauer Geist braucht die richtigen Lehrer und Förderer, passende Anleitungen und Lerntechniken, die teils erheblich von Lerntechniken für durchschnittlich Begabte abweichen können. Er braucht Herausforderungen und viel Übung, um produktiv zu werden, anderenfalls können sich Begabungen und Talente nur unzureichend entwickeln.

 

Literatur:
Begabte Kinder finden und fördern - Ein Wegweiser für Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer.
Herausgeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Der Bezug der Broschüre ist über das BMBF kostenlos als Printausgabe oder pdf-Datei möglich.

 

 

 

 

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