Häufige Fragen über Hochbegabung

 

  1. Wie kann man eine Hochbegabung erkennen?

  2. Kann jeder durch Übung und Training hochbegabt werden?

  3. Kann man durch Training ein besseres IQ-Testergebnis erreichen?

  4. Ist man nur dann hochbegabt, wenn man in einem IQ-Test mindestens 130 Punkte erreicht hat?

  5. In den Medien und manchen Ratgeber erscheint es so, als würde ab einem IQ von 130 eine neue Welt beginnen und es sich um eine andere Kategorie Mensch handeln. Ist das wirklich so?

  6. Kann ein Test auch einen falschen IQ-Wert ergeben?

  7. Mit welchen Krankheitsbildern kann eine Hochbegabung verwechselt werden?

 

 

1. Wie kann man eine Hochbegabung erkennen?
Der gängige Weg führt über einen standardisierten IQ-Test bzw. eine Hochbegabungsdiagnostik.
Der Psychologe und Autor Dr. Jürgen vom Scheidt gehört zu den Pionieren, die außerdem bestimmte Eigenschaften, Persönlichkeitsmerkmale und Grundmuster entdeckt haben, die man bei hochbegabten Menschen auffallend häufig finden kann. Diese lassen zwar keine Rückschlüsse auf den genauen IQ-Wert eines Menschen zu, können aber wertvolle Hinweise auf eine Hochbegabung liefern. Eine Liste typischer Merkmale gibt es unter Hochbegabung erkennen sowie unter Brainspotting.

Die Merkmale können bereits ab einem IQ von 120 auftreten, der zum Bereich überdurchschnittlicher Intelligenz gehört.

 

2. Kann jeder durch Übung und Training hochbegabt werden?
Nein.
Durch Übung lassen sich einige IQ-Punkte dazugewinnen, aber aus durchschnittlich intelligenten Menschen wird auch durch Förderung und intensives Üben kein Hochbegabter.

Hochbegabung äußert sich durch verschiedene Merkmale, die genetisch festgelegt sind und nicht durch Üben beeinflusst werden können. Man kann durch Training z.B. auch nicht seine Körpergröße, Schuhgröße oder Hautfarbe verändern.

 

3. Kann man durch Training ein besseres IQ-Testergebnis erreichen?
Ja.
Bei den Tests werden verschiedene Fähigkeiten überprüft, z.B. Zahlen- und Sprachverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, logisches Denken, Kurzzeitgedächtnis, Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung, Konzentrationsfähigkeit. Die verschiedenen Themenbereiche können trainiert werden. Je vertrauter man mit der Durchführung von IQ-Tests, der Art der speziellen Aufgabenstellungen ist und je häufiger ein Test durchgeführt wird, desto besser wird das Ergebnis. Man schätzt, dass man den IQ-Wert durch Training um 10-15 Punkte erhöhen kann. Ab dann bilden die Erbanlagen die Grenze nach oben.

 

4. Ist man nur dann hochbegabt, wenn man in einem IQ-Test mindestens 130 Punkte erreicht hat?

Nein.
Es gibt kein natürliches Kriterium dafür, ab welchem IQ eine Hochbegabung vorliegt, man also außergewöhnlich intelligent ist. Ab welcher Schuh- oder Körpergröße spricht man von "außergewöhnlich groß"? Auch hierfür gibt es kein Kriterium.

Der Grenzwert von 130 für eine intellektuelle Hochbegabung ist ein statistisches und kein inhaltliches Kriterium. Man hätte stattdessen auch einen anderen Wert, z.B. von 128 oder 129, nehmen können, wählt jedoch gern glatte Werte als Grenzwerte. 130 ist die doppelte Differenz zwischen der Obergrenze des Durchschnittbereichs (dieser liegt bei dem IQ-Wert 115) und dem Mittelwert, der bei 100 liegt, siehe Grafik.

Wenn jemand in einem IQ-Test nur ein Ergebnis von 128 oder 129 erreicht hat, kann er/sie daher ebenfalls hochbegabt sein, aber bei einem so hohen Wert wie bei 130 kann davon mit Sicherheit ausgegangen werden. Grenzwerte sind vor allem relevant in der Forschung über Hochbegabung, wo man eindeutige Kriterien benötigt, um bestimmte Analysen durchführen zu können.

 

5. In den Medien und manchen Ratgeber erscheint es so, als würde ab einem IQ von 130 eine neue Welt beginnen und es sich um eine andere Kategorie Mensch handeln. Ist das wirklich so?

Nein.
Wissenschaftler, die das Thema Hochbegabung erforschen, weisen ausdrücklich darauf hin, dass es in der Schule oder im Alltag wenig sinnvoll sei, strikt an einem IQ von 130 und höher festzuhalten, wenn es darum geht zu entscheiden, ob eine hohe intellektuelle Begabung vorliegt. Es geht um graduelle Unterschiede. Ein Kind mit einem IQ von 128 oder 129 ist ganz klar weit überdurchschnittlich intelligent und wird kaum ein anderes Leistungspotenzial aufweisen, als ein Kind mit einem IQ von 130. Im Vordergrund sollte deshalb weniger die Frage stehen, ob das Kind zur Gruppe der Hochbegabten gehört oder nicht, sondern vielmehr, welche Stärken und Talente es besitzt und wie man diese unterstützen und fördern kann.

Außerdem setzt sich Intelligenz aus verschiedenen Teilfähigkeiten zusammen. Bislang ist kein Intelligenztest in der Lage, alle Bereiche zu erfassen. Da es unterschiedliche IQ-Tests auf dem Markt gibt, die sich in ihren Test-Schwerpunkten sogar unterscheiden, kann sich je nach Test auch ein anderer IQ-Wert ergeben (Quelle: BMBF).

 

6. Kann ein Test auch einen falschen IQ-Wert ergeben?

Ja.

Es gibt verschiedene Faktoren, die ein Testergebnis verfälschen und einen zu niedrigen Wert ergeben können, z.B. schlechte Tagesform, Schlafmangel, Unwohlsein, Erschöpfung, Durst, Hunger und Unterzuckerung, Krankheit, depressive Verstimmungen oder Prüfungsangst. Gerade bei Kindern sollte man vor Testbeginn darauf achten, dass sie sich wohlfühlen, dem Tester vertrauen und für einen Test auch motiviert sind. Wenn bei einem Verdacht auf eine Hochbegabung ein negatives Testergebnis erzielt wird, sollte noch eine zweite Testung erfolgen.

Zu hohe IQ-Werte können so gut wie ausgeschlossen werden, es sei denn, es wurde z.B. ein veralteter Test verwendet. Standardisierte Tests werden ungefähr alle zehn Jahre überarbeitet.

 

7. Mit welchen Krankheitsbildern kann eine Hochbegabung verwechselt werden?

Die markanten Merkmale einer Hochbegabung ähneln einigen Symptomen von Krankheitsbildern wie z.B. ADHS, ADS oder Borderline-Störung. Psychologen und Therapeuten, die mit dem Thema Hochbegabung wenig vertraut sind, können daher leicht auf eine falsche Diagnose kommen. Die gemeinnützige, ameri-kanische Organisation SENG (Supporting Emotional Needs of the Gifted), die Betroffene und Fachleute zum Thema Hochbegabung informiert und berät, hat zu diesem Thema einen Flyer erstellt. Die deutsche Version steht auf folgender Seite zum Download zur Verfügung:

SENG Fehldiagnosen bei hochbegabten Kindern

 

 

 

 

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